Mein Comeback nach langer Laufpause hat nicht so angefangen, wie ich es mir vorgestellt hätte. Kein sanfter Wiedereinstieg, kein cleverer Plan – sondern ein Wettkampf, mitten aus dem Stillstand heraus.
Am 19. Januar 2025 bin ich das letzte Mal gelaufen. 5 Kilometer, ganz normal, nichts Besonderes. Ich wusste es zu diesem Zeitpunkt nicht, aber es war der letzte Lauf für sehr lange Zeit.
Dann: nichts. Keine Laufschuhe, keine Uhr, kein „ich geh morgen wieder“. Eine Verletzung kam dazwischen, und aus der Verletzungspause wurde die Art von Pause, die sich irgendwann selbst rechtfertigt. Je länger sie dauert, desto größer wird die Hürde, wieder anzufangen. Das kennt vermutlich jeder, der schon mal aus dem Laufen rausgekippt ist – man wartet nicht mehr auf den richtigen Moment, man vergisst, dass es überhaupt einen geben sollte.
Am Ende waren es 17 Monate. Kein einziger Lauf, kein einziger Kilometer, nirgendwo aufgezeichnet.
Der Plan, der keiner war
Am 1. Juli 2026 bin ich beim AOK Firmenlauf Stuttgart gestartet. 6 Kilometer, mitten durch Degerloch, bei 25 Grad. Und wenn ich ehrlich bin: Es gab keinen Trainingsplan, keinen Testlauf vorher, keine Vorbereitung, die diesen Namen verdient hätte. Ich bin einfach hin und mitgelaufen. So, wie man manchmal Entscheidungen trifft, die im Nachhinein mutig klingen, aber im Moment einfach nur „ach, jetzt mach ich’s halt“ waren.
Meine Uhr hat danach Zahlen ausgespuckt, bei denen ich kurz geschluckt habe: Durchschnittspuls 173, Maximalpuls 190. Zum Vergleich – das war ungefähr die Pace, die ich früher locker im Grundlagentempo gelaufen bin. Nur dass mein Herz diesmal dabei fast an die Kotzgrenze ging, um sie zu halten. Subjektiv hätte ich das Rennen auf einer Skala von eins bis zehn irgendwo bei „warum tue ich mir das an“ eingeordnet.
Am Tag danach: Muskelkater. Kein dramatischer, aber ein ehrlicher.
Warum das kein Grund zum Feiern ist – aber auch keiner zum Verzweifeln
Ich könnte diesen Text jetzt so schreiben, als wäre das Rennen der große Triumph gewesen. Ist es aber nicht. Ein Herz, das nach anderthalb Jahren Stillstand bei einem Tempo, das früher locker war, auf 190 hochschießt, ist kein Beweis für Fitness. Es ist der Beweis, dass ein Körper mit Reserven kurzfristig improvisieren kann – aber eben nur kurzfristig, und nicht ohne Risiko.
Wenn ich ehrlich in mich reinhorche: Das war nicht klug. Aus dem Nichts einen Wettkampf zu laufen, ohne jede Vorbereitung, bei Sommerhitze, mit einem Puls nahe am Limit – das hätte auch anders ausgehen können. Es ist mir gut bekommen. Das ist nicht dasselbe wie „es war eine gute Idee“.
Und trotzdem: Es hat etwas ausgelöst, das die letzten 17 Monate nicht geschafft haben. Der Knoten ist geplatzt. Nach dem Lauf saß ich mit brennenden Beinen auf dem Rasen und dachte zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder: Ich will das wieder öfter machen. Nicht so. Aber wieder.
Der zweite Fehlstart bei meinem Comeback nach langer Laufpause
Das hier ist nicht mein erster Wiedereinstiegsversuch. Ende 2024 hatte ich schon mal einen sauberen Aufbau hingelegt – Läufe zwischen 4 und 7 Kilometern, regelmäßig, kontrolliert. Und trotzdem ist genau der an einer Verletzung zerbrochen. Das ärgert mich im Rückblick mehr als die 17 Monate Pause selbst. Ich hatte den richtigen Ansatz und habe ihn trotzdem nicht durchgehalten.
Wenn ich daraus etwas mitnehme, dann das: Motivation ist beim Wiedereinstieg nie das Problem. Das Problem ist immer die Geschwindigkeit, mit der man vom „ich hab wieder Lust“ zum „ich übertreib’s“ kommt. Der Firmenlauf hat mir mehr Motivation gegeben als die letzten anderthalb Jahre zusammen – aber wenn ich daraus jetzt ableite, gleich wieder groß einzusteigen, mache ich exakt denselben Fehler wie beim letzten Mal, nur mit einer neuen Ausrede.
Was jetzt kommt
Deshalb starte ich diesmal bewusst langsam – langsamer, als sich das nach so einem Adrenalinschub anfühlt. Zwei feste Lauftage pro Woche, 25 bis 30 Minuten, Tempo so locker, dass ich mich dabei noch unterhalten könnte. Kein Rennen mehr, keine Bestzeiten, keine Vergleiche mit früher. Nur: dranbleiben, ohne dass mich wieder was aus der Bahn wirft.
Es ist ein bisschen absurd, dass ausgerechnet ein völlig unvorbereiteter Wettkampf der Auslöser für einen vernünftigen, vorsichtigen Trainingsaufbau geworden ist. Aber genauso ist es gelaufen. Und ehrlich gesagt: Wenn du selbst gerade an dem Punkt stehst, an dem die Pause länger geworden ist, als du wolltest – vielleicht braucht es bei dir auch keinen perfekten Plan, um wieder anzufangen. Nur einen ersten Schritt, der ehrlich zugibt, dass er unperfekt war.
Wie es aus so einem chaotischen Restart heraus zu einem tragfähigen Trainingsplan wird, zeige ich in den nächsten Wochen hier im Blog.